Misiones – Glauben leben 2011 in Endingen am Kaiserstuhl

Es war eine bewe­gende Woche in Endin­gen und Rie­gel am Kai­ser­stuhl: 32 junge Men­schen aus ganz Deutsch­land sind vom 17. bis 25. Sep­tem­ber in der Seel­sor­ge­ein­heit Nörd­li­cher Kai­ser­stuhl „auf Mis­sion“ gewe­sen. Misio­nes – Glau­ben leben ist eine moderne Form der Gemein­de­mis­sion, in der Jugend­li­che ihre Begeis­te­rung für den Glau­ben nach außen zei­gen und wei­ter­ge­ben wollen.

Das aus Süd­ame­rika stam­mende Pro­jekt fand die­ses Jahr zum drit­ten Mal in Deutsch­land statt und wurde von der Schönstatt-Mannesjugend und der Schön­statt­be­we­gung Mädchen/Junge Frauen gemein­sam mit der Seel­sor­gein­heit Nörd­li­cher Kai­ser­stuhl durch­ge­führt. Ziel von misio­nes ist es, junge Kir­che und leben­di­gen Glaube in die Welt zu brin­gen und neue Impulse in der Gemeinde zu setzen.

Kern­punkt von misio­nes ist die Tür-zu-Tür-Mission, bei der in Haus­be­su­chen das Gespräch über Glaube, Kir­che und per­sön­li­che Erfah­run­gen gesucht wird. Auch wenn das erst ein­mal befremd­lich klin­gen mag – schließ­lich wird an jeder Tür geklin­gelt, nicht nur bei katho­li­schen Gemein­de­mit­glie­dern: die Reso­nanz ist über­wie­gend posi­tiv. Zwar gab es immer wie­der auch mal Abwei­sun­gen, aber die meis­ten Men­schen ste­hen den Misio­ne­ros an der Tür auf­ge­schlos­sen gegen­über und lie­ßen sich auf ein kur­zes Gespräch ein, das oft aber auch mal län­ger wer­den konnte.

Für Lukas Geyer (23) eine ganz neue Erfah­rung, war er zunächst skep­tisch, wie diese Haus­mis­sion funk­tio­nie­ren soll. Doch schon das erste Gespräch über­zeugte ihn, als er sofort rein­ge­be­ten wurde und ein län­ge­res Gespräch ent­stand: „Das ist eine gute Sache, wenn man zu den Leu­ten geht und über den Glau­ben redet. Es hat mir so viel gebracht für mich persönlich.“

Dass auch gute Gesprä­che mit Ange­hö­ri­gen ande­rer Glau­bens­rich­tun­gen mög­lich sind, konnte Katha­rina Hager (22) im Gespräch mit einer Mus­li­min erfah­ren: „Ihr Anlie­gen war in die­sem Gespräch, die Gemein­sam­kei­ten zwi­schen Chris­ten­tum und Islam raus­zu­stel­len. Es war ein­fach eine ganz posi­tive Atmo­sphäre und sie war sel­ber ganz durch­drun­gen von ihrem Glau­ben und hat so rich­tig Gott aus­ge­strahlt.“ Beein­dru­ckend fand Katha­rina auch die gegen­sei­tige Tole­ranz ein­an­der gegen­über: „So muss in Zukunft Aus­tausch zwi­schen Reli­gio­nen aussehen.“

In die­ser Woche wur­den auch viele Ver­an­stal­tun­gen von misio­nes gemein­sam mit der Pfarr­ge­meinde aus­ge­rich­tet. Von Mon­tag bis Frei­tag gab es jeweils um 19 Uhr ein Abend­lob in der Peters­kir­che, jeden Tag anders gestal­tet mit moder­ner Musik, Anspie­len, Zeug­nis­sen und Gebet. Neben einem Lich­ter­ro­sen­kranz stand ein Abend­lob ganz unter dem Thema „Segen“ und am Frei­tag gab es eine Hei­lige Messe, gestal­tet mit Musik und per­sön­li­chen Ele­men­ten. Bei den Haus­be­su­chen wurde auch immer wie­der zu den Ver­an­stal­tun­gen, ins­be­son­dere dem Abend­lob, ein­ge­la­den und viele Teil­neh­mer kamen jeden Tag wie­der, sodass im Lauf der Woche immer mehr Men­schen zusam­men­ka­men, um gemein­sam das Abend­ge­bet zu feiern.

Am Diens­tag und Mitt­woch wur­den mit dem Frauen– bezie­hungs­weise Män­ner­abend spe­zi­elle Tref­fen ange­bo­ten, in den Refe­ren­ten Impulse zu den The­men „Leben mit allen Sin­nen“ und „Vater­sein im All­tag – was heißt hei­li­ger Vater?“ gaben und der per­sön­li­che Aus­tausch geför­dert wurde. Im Senio­ren­café tra­fen alt und jung auf­ein­an­der: Bewoh­ner und Gäste tra­fen in der Senio­ren­wohn­an­lage Rie­gel auf die Jugend­li­chen von misio­nes. Neben Kaffe und Kuchen wurde gemein­sam gesun­gen, gelacht und erzählt, für beide Gene­ra­tio­nen wert­volle Erlebnisse.

Die junge Gene­ra­tion kam im offe­nen Jugend­treff mit dem Titel „ABCD“ für Aus­tausch, Begeg­nung, Cock­tails und DVD zusam­men. Bei lecke­ren Cock­tails wurde der Film „But­ter­fly Cir­cus“ ange­schaut und anschlie­ßend dar­über gespro­chen, was denn ein „unver­schämt gutes Leben“ sei und was dafür not­wen­dig ist.

Das Candle-Light-Dinner für Paare war eines der High­lights die­ser Woche, bei dem man als Paar mal wie­der rich­tig mit­ein­an­der reden konnte. Zwi­schen den ein­zel­nen Gän­gen gab das Referenten-Ehepaar Maas aus Wald­kirch kleine Impulse, die das Paar­ge­spräch anreg­ten und den Abschluss bil­dete ein eigens gestal­te­tes Abendgebet.

Ein ganz beson­de­res Ereig­nis war der Papst­be­such im nah­ge­le­ge­nen Frei­burg. Im Vor­pro­gramm zur Jugend­vi­gil am Sams­tag berich­tete Ellen Heu­rich (22) von ihren Erleb­nis­sen bei misio­nes: „Es gibt Leute, die sich rich­tig freuen, die auf uns gewar­tet haben. Da ent­ste­hen ganz tolle Gesprä­che über Gott, aber auch ein­fach über das, was die Men­schen in ihrem Leben bewegt, was sie für Sor­gen und Nöte haben.“

An den Ver­an­stal­tun­gen zum Papst­be­su­chen wurde nicht nur teil­ge­nom­men, son­dern rich­tig mit­ge­macht. Auch das ist geleb­ter Glaube, auf dem Pil­ger­weg und dem Ver­an­stal­tun­ge­ge­lände durch gemein­sa­mes Sin­gen und Musi­zie­ren Gott ein Lob und den Mit­men­schen Begeis­te­rung zu schen­ken, wenn mor­gens um halb acht ein gan­zer S-Bahn-Wagen „Lau­dato Si“ anstimmt und wenn sich zwei Jugend­li­che, als sich die Heim­wege tren­nen, mit den Wor­ten ver­ab­schie­den: „Danke, dass wir euch zuhö­ren durften!“

Ellen beschrieb in ihrem Zeug­nis vor der Papst­vi­gil auch, warum es so wich­tig ist, den Glau­ben in die Welt zu tra­gen: „Mis­sio­na­risch tätig sein: Das ist ein Weg, den Kir­che in Zukunft gehen muss, dass wir nicht sagen, wir machen irgend­wel­che Ange­bote und war­ten dar­auf, dass die Leute zu uns kom­men. Son­dern wir müs­sen zu den Men­schen gehen, wir müs­sen gucken, wie leben die Men­schen, wie kön­nen wir mit denen ins Gespräch kom­men. Nur dann kann Kir­che wirk­lich zukunfts­träch­tig sein, wenn wir da neue Wege gehen.“

So trifft es auch, dass der Hei­lige Vater in sei­ner Anspra­che wäh­rend der Jugend­vi­gil gerade das her­vor­hob: „Habt den Mut, eure Talente und Bega­bun­gen für Got­tes Reich ein­zu­set­zen und euch hin­zu­ge­ben – wie das Wachs einer Kerze – damit der Herr durch euch das Dun­kel hell macht. Wagt es, glü­hende Hei­lige zu sein, in deren Augen und Her­zen die Liebe Christi strahlt und die so der Welt Licht brin­gen. Ich ver­traue dar­auf, dass ihr und viele andere junge Men­schen hier in Deutsch­land Leuch­ten der Hoff­nung seit, die nicht ver­bor­gen blei­ben.“ In die­sem Sinne sehen sich die misio­ne­ros in der Nach­folge der Apos­tel gesen­det im Geist der Kir­che um das Evan­ge­lium zu verkünden.

Auch nächs­tes Jahr soll es wie­der misio­nes geben – wo ist noch unklar, aber eins ist sicher: Alle wol­len dann wie­der dabei sein um den Glau­ben in Deutsch­land neu zu entflammen.